3 Weimarer Koalition


Weimarer Koalition

I
Weimarer Koalition,
 
1919-22 Regierungsbündnis von SPD, Zentrum und DDP, besaß 1919/20 in der Weimarer Nationalversammlung die Mehrheit und bestimmte entscheidend den Aufbau der Weimarer Republik, besonders die Beratung und Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung. Regierung der Weimarer Koalition waren die Kabinette unter P. Scheidemann (1919), G. Bauer (1919/20), H. Müller (1920), J. Wirth (1921) und (erneut) Wirth (1921/22). In Preußen bestand 1919/20 unter Paul Hirsch (* 1868, ✝ 1938), 1920-32 (mit kurzen Unterbrechungen) unter O. Braun eine Weimarer Koalition (1921 bis 1925 um die DVP erweitert).
II
Weimarer Koalition
 
Nach der Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar bildeten die SPD, das Zentrum und die DDP (Deutsche Demokratische Partei) die erste republikanische Regierung. Gemeinsam hatten sie mit insgesamt 76 % der Stimmen die weit überwiegende Mehrheit des Volkes hinter sich. Ministerpräsident dieser Koalitionsregierung, der Weimarer Koalition, wurde der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann. Die Voraussetzungen für ein Gelingen der parlamentarischen Arbeit schienen gegeben zu sein. Aber schon formierten sich auf den Flügeln rechts und links die Gegner der Demokratie zum Sturm auf den Staat. Der massive Einsatz von Freikorpsformationen gegen Aufstandsversuche der Linksradikalen führte zu einer starken Entfremdung zwischen der Arbeiterschaft und der SPD. Die Unterzeichnung des Versailler Vertrages durch zwei Minister der Koalition rief eine hemmungslose Agitation der politischen Rechten gegen die Weimarer Parteien hervor, die Dolchstoßlegende wurde in Umlauf gesetzt. Bei den Reichstagswahlen am 6. Juni 1920 verlor die Weimarer Koalition ihre absolute Mehrheit. Sie hat sie bis zum Ende der Republik nie wieder erreicht. Lediglich im größten Land der Republik, Preußen, bestand seit 1920 eine Regierung der Weimarer Koalition mit kurzen Unterbrechungen unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun bis 1932. Sie galt als stärkstes Bollwerk der Demokratie bis zu der Reichsexekution des Reichskanzlers von Papen am 20. Juli 1932.

Universal-Lexikon. 2012.

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